Wenn die Sonne aufgeht, wird der Rolladen heruntergelassen. Sonnenstrahlen tun weh in den Augen. Zu hell, zu grell — schmerzhaft ungefiltert.
In der Anderen Welt gibt es sowas nicht, nicht so stark jedenfalls. Unangenehmes wird gefiltert, Unerwünschtes zuverlässig ignoriert. In der Anderen Welt gibt es keine Rolladen, dort herrschen andere Gesetze und Regeln. Alles ist extremer, es gibt einfach mehr von allem; vor allem mehr Filter. Eine Sonne gibt es dort nicht.
Wenn der Magen knurrt wird etwas gegessen, irgendwas; Hauptsache Kohlenhydrate und Sättigungsgefühl. Fettiger Zucker und gezuckertes Fett werden bevorzugt, dann noch Salziges und koffeinhaltige Getränke.
Wer sich in die Andere Welt begibt, muss mitrennen, denn sie wartet nicht. Wer zurückbleibt, verliert. Die Kommunikationselite kümmert sich nicht um das Gestern. Was heute zählt ist das Übermorgen. Die Andere Welt ist immer um Riesenschritte voraus und vergrößert den Abstand ständig. Die Beschleunigung nimmt zu, immerzu angetrieben von der Suche nach Neuem: Technik, Information, Pornografie.
Wenn man zu müde ist zum Tippen, liest man einfach mit und hört Musik und spielt einfache, süchtig machende Spiele. Nach ein paar Stunden kommt der zweite Atem, dann ist man wieder fit. In der Anderen Welt gilt: “Schlafen kannst du wenn du tot bist”. Beständige Präsenz als Existensgrundlage, fast schon als Selbstzweck.
(Gefilterte) Informationen aufsaugen, filtern, weitergeben. über das Leben in der einen und in der Anderen Welt reden. Wer in der Anderen Welt zu viel über die eine Welt redet, erzeugt das Gefühl der Ablehnung. Jeder kann wählen, wo er hinwill; gefällt es einem nicht, so geht man woanders hin. Aber es ist nicht richtig sich zu beklagen, denn das hat keine Konsequenzen. Stattdessen STFU und über Wichtigeres sinnieren.
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