Die Zeit: halb Eins
Der Ort: Lerchenreinschule Stuttgart-Süd, Turnhalle
Bewaffnet mit Wahlaufrufsschein und Reisepass betrete ich die Halle, gewillt meiner bürgerlichen Pflicht zu Wählen nachzukommen.
Der Schwabe, wie er nun mal so ist, spart gerne und kombiniert daher am heutigen Tage gleich drei Wahlen: Europa, und 2x Kommunal.
Ich steh also vor dem ersten Tisch um mir meine Stimmzettel abzuholen und bin überrascht, dass mir die Scheine ohne Identitätskontrolle ausgehändigt werden. Mein Reisepass-zücken wird mit einem “Brauchen wir hier nicht.” des Herrn auf der anderen Seite des Tisches ausgebremst.
Nun gut, bis jetzt ist noch kein Schaden getan, die Zettel sind noch nicht in der Urne.
Ich mache meine Kreuze, falte und tüte.
Ich übergebe meinen Wahlaufrufszettel an eine Dame mittleren Alters und strecke Ihr meinen Pass entgegen.
Erwiedert wird dies mit einem “Brauchen wir nicht, wir glauben Ihnen auch so.”, die anderen Wahlhelfer nicken nur.
Mein Kommentar “Glaube gehört in die Kirche.” wird nicht erwiedert.
Ich, oder genauer, die Person deren Wahlaufrufszettel ich eben abgegeben habe, wird aus der Wählerliste gestrichen, ich werfe meine(?) Stimmzettel in die Urnen und verlasse die Halle.
Ich habe heute an drei Wahlen teilgenommen, aber sicher bin ich mir nicht, die Wahlhelfer offensichtlich genausowenig. Zu kümmern scheint es aber keinen, ausser mich.
Von Bekannten und Freunden aus Köln und München wurde mir gleichartiges berichtet.
Hier wurde ebenfalls kein Identitätsnachweis verlangt, selbst von einem französischen Staatsbürger nicht, bei dem auf ebenfalls explizite Anfrage der Reisepass mit ähnlichem Kommentar dankend abgelehnt wurde.
Deutschland wach werden!
Falls ihr es noch nicht wisst: Wir sind im Krieg. So hat es zwar noch niemand hochoffiziell genannt, aber das ist laut Herrn Schäuble nur Pipifax und eine Frage der Semantik.
Krieg in Deutschland ist im Jahre 2007 also eine Frage der Bedeutungslehre. Definiert man Bedeutung als den Inhalt, der sich aus der Relation zwischen Zeichen und Welt ergibt, heißt dies im Klartext: Ob du das Krieg nennst oder nicht, ist nur eine Frage der Definition.
Erstaunlich zu welchen intellektuellen Verrenkungen Herr Schäuble bereit ist…
...sprachlos…
Hab eben mal wieder die homepage der c-base besucht und dabei festgestellt, dass es eine offizielle Pressemitteilung gibt. Ich werde sie unten einfach übernehmen, wie hadez es schon gemacht hat. Für die, die sie später lesen wollen, gibt es denselben Text auch als PDF.
Hier dann also die Pressemitteilung:
Seit fast 12 Jahren besteht die Raumstation Mitte an der Jannowitzbrücke. Sie war und ist Magnet für unterschiedlichste Projekte aus dem Bereichen Gesellschaft, Kunst und Kommunikation. Hier treffen sich Go-Spieler, Comic-Zeichner, Musiker, 3D-Designer und Jugger (futuristische Rugbyspieler). Von der Piratenpartei über den Wikipedia Stammtisch bis hin zum Freifunk-NET. Das Raumschiff bietet vielen Aktivitäten eine Heimat, die die Off-Kultur Berlins prägen. Das alles droht nun wieder im Nichts zu verschwinden und damit ein weiteres Loch in der Kulturlandschaft im Zentrum zu hinterlassen.
the saga continues:
lasst und einfach news zum thema sammeln und jedesmal den post hier updaten, neustes oben an
2007-02-09 heise online: Verfassungsbeschwerde gegen Online-Durchsuchungen in NRW eingelegt
Der Berliner Rechtsanwalt Fredrik Roggan hat am heutigen Freitag im Auftrag der Mülheimer Autorin Bettina Winsemann (alias Twister) und einem Mitglied der Linkspartei das Bundesverfassungsgericht wegen des neuen nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzgesetzes angerufen. Die Beschwerde richtet sich gegen die in diesem Gesetz erstmals offiziell eingeführten heimlichen Online-Durchsuchungen von Computern durch Sicherheitsbehörden, die Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) bundesweit auf eine gesetzliche Grundlage stellen will.
kommentar: richtig so!
2007-02-09 heise online: Mehrheit der Bundesbürger für Kompromiss bei Online-Durchsuchungen
[...]Allerdings meinen immerhin 24 Prozent der befragten Bürger, dass der Polizei uneingeschränkt alle Möglichkeiten zur Verfügung stehen müssen, damit sie effektiv gegen Kriminalität vorgehen kann. Elf Prozent finden, dass der Schutz der Privatsphäre wichtiger sei als die Fahndungsmöglichkeiten der Polizei.
kommentar: wenn dummheit und unwissenheit solch auspraegung finden, bekomm’ ich angst
2007-02-08 heise online: Schäuble: Trojaner sollen auch private Tagebücher durchsuchen
In einem Interview mit der taz hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) bekräftigt, dass es bei der geplanten verdeckten Online-Durchsuchung keine privaten Bereiche auf der Computerfestplatte geben kann, die im Sinne des “Kernbereichs privater Lebensführung” geschützt sind.
kommentar: ... kein kommentar …
2007-02-07 heise online: Zypries warnt vor Schnellschüssen zur Ermöglichung von Online-Durchsuchungen
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries äußerte sich bereits direkt nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs, heimliche Online-Durchsuchungen von PCs seien unzulässig, zurückhaltend zu Vorhaben ihres Kabinettskollegen Wolfgang Schäuble, Rechtsgrundlagen für die Online-Durchsuchung zu schaffen. “Es ist unter verfassungsmäßigem Blickwinkel ausgesprochen schwierig, weil man natürlich in die Privatsphäre in einem erheblichen Maße eingreift”, sagte sie dem Fernsehsender N24. Computer würden auch für private Dinge genutzt. All dies würde der Staat dann heimlich sehen. Deswegen müsse man erst klären: “Brauchen wir so etwas überhaupt?”
kommentar: wenigstens scheinen die richtigen leute in den richtigen positionen (zumindest in der offentlichen version) noch ihr gehirn zu benutzen und halbwegs kritische fragen zu stellen.
2007-02-06 heise online: BKA-Chef hält Online-Durchsuchungen für dringend erforderlich
Die Polizeipraxis benötige zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus und der organisierten Kriminalität auch die Online-Durchsuchung, sagte Ziercke am heutigen Dienstag im Deutschlandradio Kultur: “Wir müssen mit dem technischen Fortschritt Schritt halten können, wenn skrupellose Kriminelle ins Internet ausweichen und dort ihre Anschlagsplanung, ihre kriminelle Handlung vorbereiten.”
kommentar: terror my ass. sucht euch endlich mal andere ausreden, wie “zu langsame umsetzung des 1984 paketes”
2007-02-05 heise online: Schäuble heizt nach BGH-Urteil Debatte um Online-Durchsuchung an
Als Dienstherr der Polizei forderte Bundesinnenminister Schäuble die rasche Schaffung einer gesetzlichen Grundlage für die Online-Untersuchung. Die Gewerkschaft der Polizei verlangte, mit der neuen gesetzlichen Regelung auch die Behinderungen durch das Datenschutzrecht zu beseitigen.
kommentar: achja, datenschutzt ist jetzt also nur noch eine behinderung. heisst das, bald sind firewalls “behinderung der staatsgewalt”?
2007-02-05 heise online: Heimliche Online-Durchsuchungen sind unzulässig
Heimliche Online-Durchsuchungen durch die Polizei sind unzulässig. Dies entschied am heutigen Montag der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe (StB 18/06).
2007-02-05 heise online: Widerstand gegen die TK-Vorratsdatenspeicherung wächst in Europa
Auch in anderen europäischen Ländern gibt es verstärkt Kritik an der von Brüssel vorgegebenen verdachtsunabhängigen Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten.
2007-01-18 heise online: Bundestag verabschieded Telemediengesetz
der totalitaristische weihnachtsmann war da…
ich nominiere hiermit “vorbeugende Straftatenbekaempfung” fuer das unwort des jahres
2007-01-11 heise online: Starkes Anwachsen der Auskunftsersuche durch neues Anti-Terrorpaket erwartet
2006-12-14 vorratsdatenspeicherung.de: Stoppt die Vorratsdatenspeicherung!
Es fing an, als der Ehrgeiz zu groß wurde und der Wunsch/die Gier nach Geld überhand nahm. Es ging weiter damit, dass der Erfolg hinter den Wunsch und Wahnvorstellungen Erwartungen zurückblieb. Und dann ging das Geld aus.
Geschockt durch den Absturz verkroch ich mich hinter meiner Depression. Dort war es bequem, behaglich und sicher – schön war es nicht.
Endlich ergab sich der Umzug nach Berlin! Dies bot die Chance, durch Ortsveränderung auch die innere Welt zu verändern und in Ordnung zu bringen.
Obwohl der Wohnungsmarkt angeblich so entspannt ist in Berlin, hatte ich mich vorher so weit von der Welt zurückgezogen, dass mich von 30 WGs nur eine aufnehmen wollte. Dies nahm das Jobcenter Tempelhof-Schöneberg zum Anlass, sich der Wohnungsfindung zu widersetzen.
Da ich niemanden finden konnte, der mir trotz der extrem prekären Lage eine Wohnung vermieten würde, musste ich mich an das Sozialamt wenden. Zwei weitere Wochen suchte ich erfolglos, dann sprach ich erneut vor. Der freundliche Mitarbeiter des Sozialamtes brachte mich daraufhin unter in dem Männerwohnheim des Internationalen Bundes, wo ich zurzeit auf unbestimmte Zeit wohne…bis ich endlich eine Wohnung finde.
(Mehrstündiges Gedankenprotokoll vom 2.1.2007)
Wie schaffe ich es, aus meinem Zwang auszubrechen? Ist das Gefühl der Sicherheit, das meine vertraute gewohnte Depression mir gibt, tatsächlich größer/stärker als die Möglichkeiten einer Beschäftigung? Was ist los: Wenn mir der Atem stockt und schier das Herz stehenbleibt; Wenn ich nachts aufschrecke, panischen Herzschlag im Hals spüre und gierig nach Luft ringe? Warum denke ich so oft an Selbstmord mit Zeichen-Setzung, warum klammere ich mich dennoch an meine Existenz? Es kommt immer in einer Art von Anfällen über mich. In solchen Momenten kann ich meine Gefühle nicht beschreiben, kann sie nicht aussprechen. Die Hemmung setzt ein in der Hand; wandert über den Arm zum Herz, welches prompt aus dem Takt gerät; erreicht das Gesicht, den Mund geöffnet zum scharfen Einatmen und schreiendem Ausatmen; und kommt schließlich im Gehirn an, welches den Schrei unterdrückt. Stumm bin ich, ertrinke in der Flut und unter Wasser kann man nicht schreien. Wo ist der Boden, wann ist der Tiefstpunkt erreicht, ab dem es nur noch aufwärts gehen kann?! Was lässt mich strampeln und treten, Anträge ausfüllen und in Reihe anstellen? Was hindert mich, zu explodieren, gewaltsam auszuschlagen, zu treffen, zu verletzen, egal wen und wie schwer, Hauptsache, ich habe etwas bewirkt? Ist es schon soweit, dass ich meine, nur noch mit roher Gewalt etwas bewirken zu können? Bin ich so bedeutend, so wichtig, dass ich etwas bewirken muss? Bewirke ich und bemerke es nicht? Scheinbar gefangen in einem Teufelskreis, der doch eine immer schneller drehende Spirale in den Abgrund ist: kein Geld -> kein Essen -> keine Arbeit -> kein Geld -> kein Dach überm Kopf -> keine Hoffnung -> keine Motivation -> kein Selbstwertgefühl -> keine Hilfe -> ... Ich belüge mich schon selber so überzeugend wie Andere, dass ich verlernt habe zu vertrauen. Die Anstrengung zehrt mich auf, mir und anderen einzureden, es ginge schwierig und beschwerlich irgendwie voran. Ich habe schon wieder abgenommen, obwohl ich versuche regelmäßig zu essen. Ich glaube, ich brauche Hilfe; aber gleichzeitig denke ich, dass ich mir Hilfe nicht leisten kann und schon bin ich fassungslos ob der zynischen, turbokapitalistischen Welt in der man sich selber hilft und sonst keiner. Der Neoliberalismus beschert uns die Freiheit, alles zu verlieren, auch das was im GG steht: die Würde. Was ist würdevoll daran, obdachlos zu werden, weil zuerst gewisse Formalien eingehalten werden müssen bevor ein Antrag auch nur in die Hand genommen wird? Die Formalien benötigen nämlich würdevolle Bearbeitungszeit; Zeit, in der die Notlage der Vermieter größer wird und sie die Wohnung an einen anderen vermietet müssen, da sie sonst ihre Würde ebenfalls verlieren und dann in der Menge der zahlreichen stimmlos gelähmten Würdelosen untergingen; in der Menge, aus der sie mich durch Solidarität befreien wollten. Ein kleiner Schritt nur, eine winzige Stufe, auf der ich wieder Tritt fassen könnte, ein Absatz, auf dem ich mich sammeln und von dem aus ich weiter schreiten könnte. “Die Würde des Menschen ist unantastbar“, sagt das GG; “...es sei denn, es geht um Solidarität“, sagen die Neoliberalen, Neokapitalisten, Neofaschisten. Neofaschismus nach Hartz: nicht mehr als angeblich überlegende Rasse eine angeblich minderwertige vernichten, sondern als wohlhabende Klasse die Situation der Wenighabenden derart verschlimmern, dass sie nicht mal mehr die Kraft haben, solidarisch zu sein, weil ihre ganze Energie aufgebraucht wird um satt zu werden. “Erst kommt das Fressen, dann die Moral”, dies wird gnadenlos ausgenutzt. Die modernen Sklaven sind zahlreich aber schwach, ihre Abhängigkeit ist noch zu groß; ihre Welt wird härtzlich klein gehalten, damit sie nicht sehen, schon gar nicht den Nächsten; damit sie nicht zusammenkommen und ihre Stimmen gehört werden müssen. Es scheint politisch gewollt zu sein. Der Schein trügt: längst wird die Politik benutzt, um neoliberale Vorstellungen in Gesetze und Verordnungen zu gießen. Seit Jahren wird “der Markt“ neoliberalisiert, immer unter der Drohung, dass die Konzerne abwandern würden und so Arbeitsplätze verloren gingen. Die Konzerne sind jedoch schon lange abgewandert und belohnen sich für ihre Unverschämtheit mit (politisch versteckter und durchgesetzter) Steuerfreiheit. Auch hier keine Solidarität. Die Arbeitsplätze sind ebenfalls verloren gegangen, kaum dass die Konzerne der Politik befohlen hatten die staatliche Form der Solidarität, den Sozialstaat also, abzubauen. So konnten die Frischentlassenen sich nicht einmal beschweren, da ihre Mägen lauter knurren als ihre Stimmen rufen können. Die Politik in Deutschland wurde zuerst verarscht (entweder Sozialabbau sonst Arbeitsplätze weg), dann vergiftet (indem weisgemacht wurde, der Staat könne nichts tun) und schließlich wurde es den Betroffenen in die Schuhe geschoben (sie seien schließlich selbst Schuld an ihrer Situation). Systematisch wird hier die Solidarität auf allen Ebenen ausgehebelt, getilgt.
(...)
4 Stunden später: soeben bin ich zurück von einem 1-stündigen Spaziergang, der in zweierlei Hinsicht kurzfristige Linderung brachte: zum Einen spürte ich 1 Stunde lang keinen Juckreiz an den Fingern, Handgelenken, am Hals, auf der Kopfhaut, in den Kniekehlen, am Bauch und den Oberschenkeln; zum Anderen drehten sich meine Gedanken 1 Stunde lang nicht im zuvor erwähnten Teufelskreis. Das Ausbleiben des Juckreizes kann ich mir nicht so leicht erklären, durchaus aber die Veränderung der Gedankengänge: Wenn ich unterwegs “in Bewegung” bin, nehmen die Augen (und damit das Hirn) ständig andere optische Reize auf, die ständig Assoziationen verschiedener Heftigkeit hervorrufen. Der äußere Reiz, oder das Verarbeiten des Selben, überbrüllt meine inneren Schreie, die ja nach außen stumm bleiben. Auf diese Art habe ich für kurze Zeit Ruhe vor mir selber, ich nehme eine Auszeit und kann mich geistig erholen auf eine Weise, die der kurze unruhige Schlaf nicht bietet. Ich bin jetzt gefasster und schreibe langsamer, springe weniger hin und her. Es hat sich auch eine leichte Ermüdung dazugestellt, der ich aber erst nachgeben werde, wenn sie zur Erschöpfung geworden ist, wenn ich fast im Stehen einschlafe. Ich finde kaum etwas so schlimm wie müde im Bett zu liegen und nicht schlafen zu können vor lauter Gedankenraserei, vor lauter Geschrei, dieser Kakophonie der Unsicherheit. Durch den Aufbau meines alten vertrauten Schreibtisches (vor vielen Jahren getausch für eine PC-Arbeitsstation aus lackiertem Stahl und dickem Glas) falle ich teilweise zurück in alte Gewohnheiten. Ich trinke wieder mehr Tee aus den vetrauten Tassen; stelle diese auf den vertrauten Untersetzer in Form einer CD-Hülle für Original Microsoft Works, dessen Echtheitszertifikat ich absichtlich in langsamer Kleinarbeit mit den Unterseiten der Tassen durchscheure. Überhaupt ist der Schreibtisch vertraut und anders. Vertraut ist sein Aussehen und Aufbau: Schubladenelement links, Türelement rechts, beide Elemente mit Teppich bedeckt, um für farbliche Abwechslung zu sorgen. Vertraut ist er mir in seiner ursprünglichen, eigentlichen Funkton als Tisch, an dem ich schreibe. Dieser Schreibtisch stellte jahrelang das Zentrum meiner Wach-Aktivitäten dar. Hier habe
ich gegessen, Filme geschaut und “am allerwichtigsten “mit anderen per Email oder IRC kommuniziert. Dieser Schreibtisch ist sehr sehr wichtig und dennoch habe ich ihn einige Monate nicht benutzt (nicht benutzen können). Er ist anders (geworden). Zuvor stand er unter meinem Hochbett. Man konnte am Schreibtisch nur sitzen; aufrecht stehen war nur kurzen Menschen möglich. So war der Schreibtisch von jeher ein Ort an dem alleine war. Wollte ich mit Freunden eine DVD auf dem Laptop gucken, stellten wir den Laptop immer au den niedrigen Couchtisch. wovor wir dann irgendwie alle Platz fanden auf dem Sofa. Der Laptop ist jetzt zugeklappt und ausgeschaltet und zur Seite geschoben. Er funktioniert noch, zum Glück! aber ich habe zur Zeit kein Internet und daher ist er nur noch als Schreibmaschine zu gebrauchen. Dies ist übrigens ein weiterer Unterschied, der mir auffällt: Ohne Internet und ohne Telefon ist der Schreibtisch mit Laptop keine Kommunikationszentrale mehr. Ich finde hier nicht mehr Anschluss nach draußen. Das ratlose und losrasende Hirn muss sich mit sich selbst beschäftigen; kein äußerer Reiz wie ein Spruch, eine Beleidigung, eine Frage, ein witziges Bild hält es mehr in der Spur. Ich bin mir völlig ausgeliefert und ich weiß nicht, wie lange ich dies noch durchhalte. Heute habe ich mit Mama telefoniert (sie rief mich auf dem Handy an, damit ich Guthaben sparen kann) und ich konnte meine aufgestauten Gedanken, meine zu Worten kondensierten Stummschreie für eine halbe Stunde über ihr ausschütten. Andere würden sage, dass ich mein Herz (mein Hartz, haha) ausgeschüttet habe, aber so tief sind wir noch gar nicht gekommen. Da warten noch Emotionen darauf, verarbeitet zu werden. Im Gespräch ging es vielmehr um meine Gedanken, um die, die nicht mehr aus meinem Bewusstsein verschwinden. Vorher war Per für einige Tage zu Besuch; er kam an dem Tag an, als Mama auszog. So war ich nicht allein und er lenkte ab. Nach kurzer Zeit fuhr er schon wieder nach Stuttgart zurück. Das Gefühl der Einsamkeit war überwältigend. Aber immer wenn ich kurz davor bin, zusammenzubrechen und in den zuvor erwähnten Fluten zu ertrinken, immer wenn die Lähmung einsetzt und der Atem stockt und das Herz stolpert, immer wenn ich aufgeben will, wird es für einen ganz kurzen Moment dunkel. Meine panische Angst verwandelt sich in etwas, das mich zu “vor allem körperlicher “Aktivität treibt: ich brauche dann ganz dringend Bewegung. Ich denke meine lähmenden Angstzustände und die darauffolgende Aktivität wären nicht so stark, wenn ich eine Arbeit, einen Job, ja sogar eie regelmäßige Tätigkeit hätte. Ich komme mir so ruhelos vor, getrieben von etwas ohne Ziel ohne Zweck ohne Bestimmung. Daher drehe ich mich auch ständig im Kreis, gedanklich zumindest. Meine Schrift wurde immer unleserlicher, daher habe ich den Stift gewechselt. Ergebnis: minimale Verbesserung, die wohl eher zu tun hat mit der Ablenkung durch das Suchen eines Bleistiftes als mit dem neuen Schreibgerät an sich. Hier kommt mein “speziell“ ausgeprägter Ordungssinn zum Vorschein: ich muss/möchte mit dem kürzesten Bleistift schreiben, um ihn aufzubrauchen. Meine Gedanken springen so schnell hin und her, dass ich mir wünsche, ich könnte sie irgendwie auf die beiden Hirnhälften verteilen und jede Hälfte gleichzeitig schreiben lassen. Aber ich vermute, dass so eine “Fähigkeit“ einhergeht mit “Mängeln“ an anderer Stelle. Und so wünsche ich mir nur, schneller schreiben zu können, um die Herden meiner gallopierenden Gedanken zunächst schriftlich einzufangen und danach psychisch zu zähmen. Weil mir Telefon und Internet doch sehr fehlen, überlege ich, wieder mehr Briefe zu schreiben. Oder ich könnte meine Beiträge zu meiner Webseite in Form von Briefen an meinen Vater verfassen und es ihm aufbürden, sie für mich zu veröffentlichen. Das setzt voraus, er hat Lust und Zeit dazu und erkan meine Schreift lesen, die in der Familie auch “Sauklaue“ genannt wird. Briefe zu schreiben käme meinem Mitteilungsbedürfnis entgegen. Ein anderer Teil meiner Selbsttherapie (wie gern wär ich krankenversichert) wird sein, dass ich mich bemühe jeden Tag mit eier mir vertrauten Person zu sprechen, um so den Halt in dieser Welt nicht zu verlieren. Der dritte und schwierigste Teil besteht darin, tagsüber vor die Tür zu gehen und fremde Leute anzusprechen, ob sie nicht Arbeit für mich haben? Die Arbeit wird leicht sein, es ist das Reden, das so erschreckend ist. Scheiß Armut, Scheiß Hartz, Scheiß Depression!
Paranoiker sind Leute die nicht mehr alle Tassen um Schrank haben. Das klingt grob vereinfacht und ist bestimmt falsch, aber die Idee stimmt: paranoid = nicht ganz normal. Da Paranoiker ein Hirn haben und nicht selten sehr klug, zumindest gebildet, sind, haben sie auch mal Ideen.
Viele Leute in Deutschland sind nicht ganz normal, das ist immerhin auch Ausdruck von Individualismus (nebenbei: was ist Individi-Dualismus?). Manche Leute in Deutschland haben großen Einfluss auf das Leben der anderen Leute, auch auf das Leben der nicht ganz so normalen. Die Leute mit Einfluss kommen auch aus Deutschland, aus der Masse derjenigen die nicht alle ganz normal sind. Also gibt es also einflussreiche Leute, die nicht ganz normal sind.
Manche von diesen einflussreichen, nicht ganz normalen Leuten werden Politiker. Davon haben wir in Deutschland sehr viele: mal mit mehr und mal mit weniger Einfluss; mal mehr mal weniger nicht-ganz-normal. Aber immer Menschen aus Deutschland.
Einer dieser Politiker (Menschen also), die nicht ganz normal sind und viel Einfluss auf das Leben der anderen Menschen (Du und Ich) hat, ist unser lieber Herr Schäuble. Herr Schäuble ist also im Bundestag, das heißt er ist ein Bundespolitiker. DAS wiederum bedeutet, er hat Einfluss auf das Leben aller Deutschen oder er hat besonders ein’ an der Waffel ist besonders nicht-ganz-normal.
Oben wurde ja schon die Fähigkeit zur Ideenbildung erwähnt. Nun ist unser lieber Herr Schäuble sehr gebildet, sehr erfahren, sehr klug und in meinen Augen sehr paranoid. Und so sind seine Ideen in meinen Augen sehr blöd.
Er möchte die Computer von Menschen (einflussreiche, einflusslose, normale, nicht ganz so normale; aber bestimmt keine Politiker) durchsuchen lassen. Im Laufe von Ermittlungen gegen einen Verdächtigen will die Polizei natürlich auch wissen, was der so alles auf der Festplatte “im virtuellen Aktenschrank” hat. Weil das aber nicht ausreichend nach Technofaschismus klingt, möchte Herr Schäuble, dass die Polizei in den Aktenschrank kommt ohne in den Raum zu müssen, in dem sich er virtuelle Aktenschrank befindet.
Der Technofaschist greift lieber von außen zu; damit das einfacher geht und damit sich die ganzen Menschen davon auch beeindrucken lassen, nimmt der technofaschistische Vollstreckungsbeamte sogenannte “Trojaner” zur Hilfe.
Und damit kommen wir zurück zur Paranoia, zum Paranoiker, zur paranoiden Idee eines von Paranoia geplagten Politikers Berufsparanoikers. Die Idee ist paranoid weil
Kurz: Die, die man will, kriegt man nicht; die, die man kriegt, will man (angeblich) nicht; die, die Ahnung haben, kriegen einen dicken Halz!
Hier geht’s wieder zurück zum provokanten Titel. Herr Schäuble hat bestimmt nur das (paranoide, technofaschistische) “Wohl des Volkes” im Sinn, wenn er solche Ideen erbricht.
Dieses Angst treibende Gerede ist nicht gut für unsere Gesellschaft! Es gefällt mir ganz und gar nicht.
Ich bin lieber frei als sicher. Herr Schäuble will, dass wir sicher aber nicht frei sind. Wohin das führt sieht man sehr gut im Spielfilm I, Robot: Weil der Hauptroboter (nicht-ganz-normal, totalen Einfluss auf alle) alle Menschen schützen will, werden sie zu Hause eingesperrt. Dort sind sie sicher, aber nicht frei.
Ja, das ist ein extremer Standpunkt. Aber es geht hier ums Prinzip; ein anderer kluger (evtl anders paranoider) Mensch hat gesagt: “Der Preis für Sicherheit ist die Freiheit”. (Evtl. in anderen Worten).
Freiheit für Deutschland!
irgendwann vor dem 26.10.2006: download der Formulare
26.10.2006: Ausfüllen der Formulare
27.10.2006: Anstellen beim Jobcenter, aber weil noch was fehlte – die amtliche Meldebescheinigung nämlich – wurde ich gleich wieder abgewiesen mit dem Hinweis, ich solle mir doch bei BEQUIT einen Termin holen. Dies habe ich dann auch gemacht.
30.10.2006: Termin bei BEQUIT, die mögen aber den ausgedruckten Kontoauszug vom Postbank Onlinebanking nicht und ich soll doch bitte die Originale vorlegen. Mama + G sollen sich finanziell bitte auch so entblößen wie ich, also nächster Termin. Zu Hause gibts es dann “trouble” wegen den Begriffen auf den Formularen (“Bedarfsgemeinschaft” vs. “Haushaltsgemeinschaft”)
3.11.2006: ich lege mich mit den Heinis von Bequit an und bekomme andere Formulare ausgehändigt, auf denen nichts mehr von “Bedarfsgemeinschaft” steht. Aber trotzdem sollen sich Mama + G bis ins kleinste Detail entblößen, was ihre finanzielle Situation angeht (ich glaub da wird ein krasser Überwachungsstaat ala ’84 aufgebaut). Und der Arbeitgeber darf auch noch Formulare ausfüllen; extra geil wenn man gerade seinen Jahresurlaub genommen hat. Weil immer noch nicht alle Unterlagen so vollständig sind wie es das JobCenter gerne hätte wird ein weiterer Termin ausgemacht. Ich werde dann hier davon berichten…
hadez schreibt dazu:
Richter stärken Rechte von Hartz-IV-Empfängern
In seiner ersten Sitzung zu den Hartz-IV-Gesetzen hat das Bundessozialgericht deutliche Kritik an Teilen der Reform geübt. Die Richter stärkten die Rechte von Hartz-IV-Empfängern gegenüber den Behörden.
— Spiegel Online
wozu ich das meine:
Danke
Herzlichen Dank für den Hinweis. Mal sehen, ob das JobCenter Berlin-Tempelhof-Schöneberg da mitzieht oder die wie üblich über der Sozial-Rechtsprechung stehen.
spiegel.de kostet Geld
Jedenfalls sind die meisten Artikel nach einer Weile nur noch käuflich zu erwerben. Das ist aber nur halb so schlimm, denn auch andere “news portals” haben diese Meldung aufgegriffen. Ich bin sicher, auf den Seiten der vielen, vielen Tageszeitungen wird man dies auch finden.
Daumen drückn
Freitach is nächster Termin bei BEQUIT, danach geht’s zum JobCenter. Ihr dürft mal eure Däumchen drücken, dass die das nicht nur schnell bearbeiten sondern auch noch bewilligen! Und hoffentlich ist dann das eine hübsche Zimmer in Schnöneberg noch frei…
1) Schäubles Grundsatzrede zur Sicherheit: “Internet Trainingscamp für Terroristen”
Das Internet wird nach Ansicht von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zunehmend zum Trainingscamp von Terroristen. Der islamistische Terrorismus setze für Ausbildung von Attentätern und die Vorbereitung von Anschlägen immer stärker auf das Netz[...]
2) Bisher nur ein Projekt: “Kommissar Trojaner”
Das Bundeskriminalamt arbeitet bereits an einem Projekt, das verschleierte Online-Durchsuchungen ermöglichen könnte, wie neulich bekannt wurde. Wegen einer rechtlichen Bewertungsstreites innerhalb der Bundesregierung liegt das Projekt allerdings vorerst auf Eis. Mit Online-Durchsuchungen würden die staatlichen Fahnder im einfachsten Fall auf klassische Weise per E-Mail digitale trojanische Pferde und anderer Schadsoftware auf den Ziel-PC einschleusen.
— tagesschau.de
1) jawohl! alles verbieten!
schlagzeile quartal 1 2007: “bin laden benutzt gmail. email kurzerhand weltweit verboten.”
meine lieben herren techno-legastheniker (ich meine natuerlich politiker) warum koennt ihr nur stimmung machen, aber nicht nach fakten beurteilen?
2) zwei worte: “digitaler hausfriedensbruch”.
noch zwei worte: “arglistige taeuschung”.
und wie stellt ihr euch das bitte vor? wenn mein virenscanner das erkennt, muss ich das bka attachment dann (als guter unterwuerfiger staatsbuerger) trotzdem anklicken?
ist es meine gutbuergerliche pflicht mich zu infizieren?
ich bin ja weder islamist noch terrorist, aber ich hab dazu nur eins zu sagen:
oh, shit, ich wette in spaetestens 12 monaten ist das unsichere, kommunistische betriebssystem linux verboten, das benutzen von firewalls und NAT routern gilt als “behinderung der staatsgewalt” und wer sich doch gegen viren und trojaner schuetzen will, wie es eines jeden recht ist, wird mit nicht unter 20 jahren fuer verrat am vaterland geahndet.
die CIA stellt dann sicher ihre ferienwohnungen zur verfuegung, welche ja gluecklicher weise ueber ganz europa verteilt sind.
meine lieben herren schaeuble, beckstein, oettinger, und wer auch sonst noch nicht weiss das deutsche tastaturen mit “qwertz” layout geliefert werden, holt euch endlich mal vernuenftige berater. an deutschen universitaeten sind aber tausende junge, aufstrebende informatiker (hallo! ich bin einer davon!) die offenbar das mehrfache an technikverstaendnis haben als euer jetziger kreis von beratern.
das einzige was ihr durch eure propaganda bewerkstelligt ist das:
denn wer will schon in einem orwell’schen staat aka 1984 leben.
ich nicht.
Zypries und Schäuble wollen Gesetz stoppen
Der Kompromiss der Koalition zum Nichtraucherschutz ist innerhalb der Regierung nach Informationen des “Handelsblatts” stark umstritten. [...] der Bund könne beim Nichtraucherschutz nach Ansicht von Justiz- und Innenministerium nicht alles regeln, was die Koalitionsarbeitsgruppe gerne regeln möchte.
— spiegel online
Warnung vor neuem Amoklauf verschärft “Killerspiele”-Debatte
Nach der Online-Ankündigung einer Bluttat in Baden-Württemberg und Panikreaktionen an Schulen in Offenburg am heutigen Mittwoch hat sich auch Landesvater Günther Oettinger für ein striktes Verbot von “Killerspielen” ausgesprochen. Er halte eine Verschäfung des einschlägigen Paragraphen 131 im Strafgesetzbuch (StGB) für notwendig [...]
— heise online
hmmmmmm…
das muss mal einwirken lassen. richtig tief. fuer etwa 20min.
und DANN das hirn einschalten.
hmmmmmmmmmm…
warum wird im falle der gesundheit unschuldiger (die auswirkungen des rauchens toeten, es ist bewiesen und allgemein bekannt) ein rueckzieher gemacht, aber wenn es um – nicht – wirklich – korrelierte – vorgaenge wie killerspiele und amoklaeufe geht die blinde flucht nach vorn angetreten?
fragen ueber fragen.
liebe damen und herren ueberbezahlte politiker.
ihr macht mich KRANK.
gezeichnet,
ein schutzbeduerftiger nichtraucher der trotz killerspielkonsum keine amokambitionen hegt.
nicht mal 24h spaeter:
Kabinett stoppt einheitliches Rauchverbot
Das geplante bundeseinheitliche Rauchverbot in Gaststätten, Schulen und öffentlichen Gebäuden ist offenbar vom Tisch. Das Kabinett will nur noch Verbote für Bundesbehörden beschließen. Um den Rest sollen sich die Länder kümmern.
— spiegel online
Niedersachsen sieht Mehrheit füür “Killerspiele”-Verbot gesichert
Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann geht fest vom Erfolg einer Bundesratsinitiative für ein Verbot von “Killerspielen” auf Basis der Arbeitshypothese seines bayerischen Amtskollegen Günther Beckstein (CSU) zur Verschärfung des Gewaltdarstellungsparagraphen 131 im Strafgesetzbuch (StGB) aus.
— heise online
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